Haltung von Huftieren

Ein Gedanke zum Anfang:
Bei freilebenden Pferden sind nirgends Hufleiden als Todesursachen beschrieben worden . Dies obwohl die Tiere zum Teil in sehr unwirtlichen Gegenden leben und grossen Belastungen ausgesetzt sind.
Auf der anderen Seite haben die Menschen, seit Pferde in ihrer Obhut leben, Probleme mit den Hufen. Woran liegt es, dass Pferdefüsse bei menschlicher Betreuung unbrauchbar und/oder behandlungsbedürftig werden?
Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, muss man sich zuerst im klaren darüber sein, welche Bedingungen auf die Hufe und somit auf die Gesundheit der Tiere Einfluss nehmen.

In Kurzform versuchen die zwei nachstehenden Aufzählungen den Unterschied zwischen der natürlichen Form eines Pferdelebens und derjenigen der Stallhaltung zu geben.

Alle natürlichen Lebensräume der Pferde
  • haben laufende Temperaturschwankungen
  • verlangen ganztätige Bewegung wegen der voneinander entfernt liegenden Weide-,Trink- und Ruheplätze und Nahrungsaufnahme im Gehen.
  • erfordern Herdenleben aus Sicherheits- und psychischem Bedürfnis
  • bieten Nahrungsvielfalt
  • verlangen gesenkte Kopfhaltung bei der Nahrungsaufnahme
  • lassen das Körpergewicht schwanken
  • veranlassen tägliche Hufbäder
  • bieten freiliegende Ruheplätze
  • bieten kein Fett
  • bieten keinen Schutz gegen Abnutzung des Hufhorns.
Stallhaltungsbedingungen
  • verhindern das notwendige Training der Haut- und Gefässmuskeln aufgrund der stetig gleichen Temperatur
  • erzwingen Bewegungsmangel, der Hufe und Kreislauf krank macht
  • isolieren die Tiere voneinander und machen sie psychisch krank
  • missachten das Bedürfnis der Nahrungsvielfalt
  • zwingen den Tieren unnatürliche Körperhaltungen auf , die Rücken, Hufe und Atmungsorgane schädigen
  • vernachlässigen oft die Ausgleichsgymnastik nach plötzlicher Gewichtsbelastung durch den Reiter
  • bieten meistens nicht die notwendige Wasserzufuhr für die Hufe, entziehen statt dessen dem Horn die natürliche Feuchigkeit. Die Hufe werden spröde und untauglich gemacht!
  • halten Ammoniak fest, der in Form von Salmiakgeist Hufhorn und Atmungsorgane zerstört
  • Fett blockiert die Aufnahme von Luftfeuchtigkeit und dient dem Hufhorn nicht.
  • Hufeisen sind unnatürlich und belastend.

 

Aus diesen Erkenntnissen folgt die Tatsache, dass wir mit der Offenstallhaltung dem Bedürfnis unserer Huftiere am ehestenRechnung tragen.Es ist sozusagen ein Kompromiss, denn freilebende Tiere suchen keine Unterschlupfmöglichkeit auf. Eine völlig freilebende Haltung fällt in den grössten Teilen Europas weg. Zum einen ist da die dichte Besiedelung, zum anderen ist es unsere Zeitknappheit. Die wenigsten Pferdehalter können es sich – neben ihrer notwendigen Arbeit – leisten kilometerweit oder stundenweise durch die Gegend zu laufen um aus einer grösseren Herde ihr Reittier herauszulocken. So ist es für uns notwendig, die Nutzpferde auf relativ kleinem Raum zu halten.

Das bedeutet aber, dass die Tiere sich nicht ihrem körperlichen Bedürfnis entsprechend bewegen können, sondern hauptsächlich dann,wenn die Pferdehalter es wollen!

So ist das natürliche Gleichgewicht von Muskelarbeit (dabei entsteht Wärme) und Ruhe (=Abkühlung) gestört. Wir müssen deshalb eine Möglichkeit schaffen, die Tiere vor zu starker Abkühlung imWind, die bei Einzelhaltung bzw.bei sehr kleinen Gruppen nicht durch gegenseitigen Schutz auszugleichen ist, zu bewahren. Der Offenstall soll seinem Prinzip nach also ein Windschutz sein. Mit dem Dach über den Schutzwänden schaffen wir hauptsächlich für uns Menschen den Vorteil, dass das Arbeitstier möglicherweise bei Regen trocken ist, wenn wir den Sattel auflegen wollen, sofern es die Schutzhütte benutzt hat. Im Sommer spendet eine solche Schutzhütte Schatten, falls keine Bäume da sind. Der wesentliche Unterschied zum traditionellen „Stall“ ist der,dass es dem Tier freigestellt ist, sich dort frei oder im Auslauf aufzuhalten.

Die Huftierhaltung auf dem Regaboga

Seit bald 14 Jahren praktizieren wir eine Offenstallhaltung nach den oben genannten Kriterien. Was zu Beginn zögernd – und auch mit Vorbehalten – begonnen hat, entwickelte sich immer mehr zu einem spannenden Experiment. Diesem scheinen auch heute noch keine Grenzen gesetzt zu sein!

Mit den verschiedensten Materialien lässt sich an Gestaltung fast alles bewerkstelligen.

Diese Kreativität zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Stallgelände und ist überall spürbar. Denn die Bedürfnisse der Bewohner können jederzeit wechseln; sei es, dass sich die Gruppenzusammenstellung ändert, wenn ein neues Tier dazu kommt oder, dass bei Tieren – altershalber oder in der Rekonvaleszenz stehend – noch andere Bedürfnisse dazukommen.

Dies bedeutet wohl, dass stetige Ver- und Abänderungen Arbeit bedeuten, doch zahlt sich dieser Aufwand mit der Harmonie der Gruppe und der Ausgeglichenheit der Tiere im einzelnen in jeder Hinsicht aus!

Zum heutigen Zeitpunkt leben bei uns auf dem Regaboga 3 Pferde, 4 Ponies, 1 Maulesel, 17 Esel zusammen mit 4 Ziegen frei auf dem Stallgelände.